Schaut man in die Zukunft deutschsprachiger Fernsehfilme und Serien, so richtet sich der Blick auch auf umwelt- & ressourcenschonende Film- und TV-Produktionen. Bei der diesjährigen TeleVisionale – Film- und Serienfestival Weimar werden die Green Shooting Stars Carl Bergengruen, Laura Fischer, Lars Jessen,und Pheline Roggan gemeinsam mit dem Ehrenpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste ausgezeichnet.
2022 entwickelte der Arbeitskreis Green Shooting unter Beteiligung der Initiative
Changemakers.film, der Filmförderungen der Länder und der FFA ökologische Standards, die seit 2023 für alle in Deutschland öffentlich geförderten Kino-, TV- und Online-Produktionen gelten.
„Deutschland ist weltweiter Vorreiter hinsichtlich einheitlicher ökologischer Standards in der TV- und Filmproduktion, was in Zeiten des steigenden Energieverbrauchs durch KI und Streaming immer relevanter wird. Die Reduktion des CO2-Ausstoßes bei Tatortproduktionen von 80 auf nur noch 40 Tonnen ist ein beispielhaftes wie ermutigendes Signal. Carl Bergengruen, Laura Fischer, Lars Jessen und Pheline Roggan werden stellvertretend für die nachhaltigen Erfolge ausgezeichnet, die ihnen und ihren Mitstreiter:innen mit dem Arbeitskreis Green Shooting sowie den Initiativen Changemakers.film und Planet Narratives bereits gelungen sind“, erklärt Hans-Jürgen Drescher, Präsident der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste die Entscheidung der Jury.
Zu den Preisträger:innen
CARL BERGENGRUEN, Medienmanager
Carl Bergengruen war SWR-Fernsehfilmchef, Vorsitzender der Geschäftsführung von Studio Hamburg und dann bis seiner Pensionierung im Juni 2026 Geschäftsführer der baden-württembergischen Filmförderung MFG. Für die von ihm betreuten Filme erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Baden-Württemberg stieg in der Zeit von Carl Bergengruen durch neue Förderlinien zum führenden deutschen Standort im Bereich des Animationsfilms und der digitalen Filmherstellung auf. Der von Bergengruen 2017 gegründete und bis Juni 2026 geleitete Arbeitskreis Green Shooting, dem u.a. alle deutschen Fernsehsender, große VoD-Dienste, Filmförderungen und Film/TV-Produktionsfirmen und -verbände in Deutschland angehören, führte 2022 ökologische Standards für audiovisuelle Produktionen in Deutschland ein. Deutschland nimmt dadurch weltweit eine Vorreiterrolle bei der Transformation der audiovisuellen Branche hin zu einer ökologisch nachhaltigeren Produktionsweise ein.
LAURA FISCHER, Regisseurin und Aktivistin
Laura Fischer gewann mit 16 Jahren den Deutschen Nachwuchspreis mit ihrem Film FAMILIE KOSLOWSKI. Ihre Mediensatire 50 ZKB gehört zu den ersten Serien auf YouTube. Neben dem Film VERLANGEN inszenierte sie u.a. für die Serien AUREL ORIGINAL, BOHEMIAN BROWSER BALLETT und die Jugendserie MOOOMENT. Ihr Langfilm-Debüt war die schwarze Komödie FÜNF FINGER SIND NE FAUST. Mit FÜR IMMER FREIBAD wurde sie u.a. mit dem Eisvogel Preis für Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Aktuell dreht sie DER LIEBESBUCHCLUB.
Gesellschaftlich engagiert sie sich seit 2015, so bei Fridays for Future und der Initiative Changemakers.film, die sie mitgründete. Ein neues Gemeinschaftsprojekt ist die
tägliche unabhängige Internet Nachrichtenshow Fun Facts mit politischen Themen und prominenten Menschen.
LARS JESSEN, Autor, Regisseur & Produzent
Lars Jessen, Jahrgang 1969, führt seit Jahren erfolgreich Regie bei Kino- und TV-
Filmen, wie zuletzt PRANGE, MICHA DENKT GROSS oder SPAZIERGANG NACH SYRAKUS sowie zahlreichen weiteren Serien und Fernsehspielen.
Neben dem Filmemachen ist es ihm ein großes Anliegen, die Transformation der Filmindustrie in Richtung Zukunftsfähigkeit voranzubringen.
Gemeinsam mit Nicole Zabel gründete er die Initiative Planet Narratives mit dem Ziel, Demokratie- und Klimathemen in filmische Erzählungen zu integrieren und mehr positive Zukunftserzählungen zu produzieren.
PHELINE ROGGAN, Schauspielerin, Autorin, Aktivistin
Pheline Roggan arbeitet als Schauspielerin für Film (SOUL KITCHEN, BÄRENJAGEN), und Fernsehen (JERKS, TATORT, FRIESENJUNKIES), spielt Theater, hält Lesungen, wirkte als Autorin und Moderatorin bei der ARD-Serie WIR KÖNNEN AUCH ANDERS mit und ist als Autorin Teil der Anthologie „Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen“. Ihre Reichweite nutzt sie, um sich für Klimagerechtigkeit, Gleichberechtigung, Demokratie und Menschenrechte einzusetzen. Sie ist Botschafterin von Plan international, kooperiert seit Jahren mit der zivilen Seenotrettungs-NGO SOS Humanity und ist Co-Initiatorin der Initiative Changemakers.film.
Zu den Initiativen
Arbeitskreis Green Shooting: Der 2017 vom damaligen MFG-Chef Carl Bergengruen gegründete und bis Juni 2026 geleiteten Arbeitskreis Green Shooting engagiert sich für eine umwelt- & ressourcenschonende Film- und TV-Produktion. Der Arbeitskreis gehört ein breites Bündnis deutscher TV-Sender, Streamingdienste, Produktionsfirmen, Filmförderungen und -Verbände an. 2022 entwickelte der Arbeitskreis unter Beteiligung der Initiative Changemakers.film ökologische Standards für die audiovisuelle Produktion. Zu deren Einhaltung und damit zur Reduktion von CO2-Emissionen verpflichten sich seither TV-Sender, Streamer, Produktionsfirmen und seit 2023 auch die Filmförderungen Deutschlands für alle geförderten Produktionen. Damit nimmt die audiovisuelle Branche in Deutschland weltweit eine Vorreiterrolle bei der Reduzierung von CO2-Emissionen ein.
Changemakers.film wurde 2019 als Initiative für grünes, nachhaltiges Drehen und zur aktiven Reduzierung der CO2 Emissionen von Laura Fischer, Pheline Roggan, Moritz Vierboom und Miriam Stein ins Leben gerufen. Sie haben eine freiwillige Selbstverpflichtung für ökologische Filmproduktion formuliert, die bereits über 700 Filmschaffende unterzeichnet haben. Zusammen mit dem Arbeitskreis Green Shooting und dem BKM haben sie die „ökologischen Standards zum Grünen Drehen“ entwickelt, die seit 2023 Teil des Filmfördergesetzes sind. Die Changemaker setzen sich öffentlichkeitswirksam für Demokratie, Vielfalt und Gleichberechtigung in der Filmbranche ein.
Planet Narratives: Die Klimakrise ist auch eine Krise der Vorstellungskraft – und Vorstellungskraft wird aus Geschichten gemacht. Planet Narratives unterstützt Filmschaffende dabei, die Zukunft des Planeten in ihren Geschichten unterzubringen. Dabei setzen die Macher:innen auf das Wofür statt das Wogegen, auf das Erzählen nicht nur von Problemen, sondern auch von Lösungen, und auf Sehnsuchts- statt Angstgeschichten. So führen siedas Publikum aus der gefühlten individuellen Hilflosigkeit hinein in die kollektive Selbstwirksamkeit.
Bereits am Vorabend der TeleVisionale, am Sonntag, 22.11., gibt es zwei Veranstaltungen mit Filmvorführungen und ausführlichen Gesprächen mit den diesjährigen Ehrenpreisträger:innen.
Die Verleihung des Ehrenpreises 2026 erfolgt dann im Rahmen der feierlichen Eröffnung am Montag, 23.11., in der Weimarhalle mit einer Laudatio des renommierten Klimaforschers Prof. Dr. Dirk Notz.
Der Ehrenpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zeichnet besondere Leistungen aus. 2022 wurde der Preis an die Schauspielerin Aylin Tezel vergeben. 2023 erhielt die Auszeichnung das Schreibkombinat Kurt Klinke, 2024ging er an die Redaktionsleitungen der Sendereihen SWR –Debüt im Dritten und ZDF – Das kleine Fernsehspiel sowie 2025 an das Regie- und Drehbuchautor:innen-Team Heide und Christian Schwochow.
Der Jury des Ehrenpreises der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste gehörten in diesem Jahr Prof. Hans-Jürgen Drescher (Präsident der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste), Caroline von Senden (Leiterin ZDF-Redaktion Fernsehspiel und Vizepräsidentin der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste) Prof. Bettina Reitz (ehemalige Präsidentin der Hochschule für Fernsehen und Film München), Volker Bergmeister (Kritiker) und Urs Spörri (Festivalleiter TeleVisionale) an.
Das diesjährige Festivalprogramm der TeleVisionale 2026 wird Mitte Oktober bekanntgegeben.